Margarete von Wrangell-Programm für kürzlich berufene W1-Professorinnen
Margarete von Wrangell war 1923 die erste Frau, die eine ordentliche Professur an einer deutschen Universität erhielt. Seitdem hat ihre Geschichte viele Wissenschaftlerinnen ermutigt, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Mit dem Margarete-von-Wrangell-Programm unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gemeinsam mit der Europäischen Union begabte junge Frauen in der prekären Qualifikationsphase zwischen Postdoc und Professur. Gestartet als Habilitationsprogramm, hat das Margarete von Wrangell-Programm im Jahr 2023 seine Ausrichtung an modernere Karrierewege angepasst. Nun kann sich jede Junior- oder Tenure-Track-Professorin innerhalb der ersten 18 Monate nach ihrer Ernennung um eine zusätzliche, für drei Jahre finanzierte Postdoc-Stelle bewerben. Tenure-Track-Professorin Franziska Meinherz ist eine der Geförderten und hat einige Fragen zum Programm beantwortet.
Kommt jede Postdoktorandin für die Stelle in Frage?
Nein, es ist eine personalisierte Förderung für eine bestimmte Kandidatin. Sie muss ihre Doktorarbeit vor nicht mehr als zwei Jahren mindestens mit "magna cum laude" - mit großer Auszeichnung - abgeschlossen haben. Außerdem muss ihr Forschungsschwerpunkt mein Forschungsprofil ergänzen und bereichern. Es muss klar sein, dass es sich um eine Win-Win-Situation handelt: die Postdoktorandin sollte die Juniorprofessur wirklich produktiver machen und gleichzeitig sollte sie am Ende des Projekts selbst für eine Juniorprofessur bereit sein.
Wie lässt sich zeigen, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren?
Meine Postdoktorandin Anke Kläver und ich haben im Grunde genommen in groben Zügen ein gemeinsames Forschungsprojekt entwickelt. Wir haben viel über den Inhalt der Forschung gesprochen, wie sie strukturiert sein wird, wie sie auf ihrer Expertise aufbaut und wie sie in die Forschungsschwerpunkte der Gruppe passt. Aber immer noch auf einer sehr, sehr abstrakten Ebene. Wir haben keine Gantt-Diagramme oder Zielergebnisse formuliert. Ich habe auch mit Leuten von anderen Universitäten gesprochen, die eine Förderung erhalten haben, und sie waren viel vager und haben im Grunde nur erwähnt, wie sich die Kompetenzen und Fachkenntnisse ergänzen und in welchem breiten Themenbereich oder Fachgebiet sie arbeiten würden. Ich fand es einfacher, den Antrag zu schreiben mit einem konkreten Projekt im Kopf, einer bestimmte Lehrtätigkeit und so weiter - das machte die ganze Argumentation reibungsloser.
Neben der Forschung ist also auch die Lehre von Bedeutung?
Ja, die Lehre ist ein wesentlicher Bestandteil der Qualifizierung für eine Professur in Deutschland. Deshalb möchte ich Anke die Möglichkeit geben, im Rahmen der bestehenden Bachelor- und Masterstudiengänge am KIT eine eigene Lehrveranstaltung anzubieten. Bislang hat sie mit einem Methodenseminar begonnen. Da wir derzeit einen neuen Masterstudiengang an unserem Institut entwickeln, hoffe ich, dass wir einen Kurs speziell zu ihrem Thema einrichten können. Ziel ist dabei, dass Anke nach ihrem Postdoc bei mir ein umfassendes Lehrportfolio hat, wenn sie sich selbst auf eine Professur bewerben kann.
Ist es nicht eine Herausforderung, die Unabhängigkeit einer Postdoktorandin zu fördern, wenn man gerade dabei ist, sich als Juniorprofessorin zu etablieren?
Aus diesem Grund ist die Auswahl der Kandidatin so wichtig. Wenn die Disziplinen, Methoden und Forschungsinteressen gut zueinander passen oder sich gegenseitig befruchten, ist das Margarete von Wrangell-Programm eine großartige Gelegenheit für beide. Es ist auch ein großer Vorteil, neben den Promovierenden und studentischen Hilfskräften eine Postdoktorandin in der Gruppe zu haben. Sie bringt Expertenwissen und Erfahrungen aus verschiedenen Universitäten und Forschungsgruppen mit. Das ist sehr wertvoll, wenn man seine eigene Gruppe und die dazugehörigen Prozesse aufbaut. Und die Tatsache, dass noch viel zu entwickeln ist, gibt der Postdokotrandin gleichzeitig die Möglichkeit, neue Aufgaben zu übernehmen und so ihre eigenen Kompetenzen und ihr Forschungsprofil zu entwickeln.
Was ist noch wichtig, um zu zeigen, dass die Kandidatin nach dem Postdoc auf eine Professur berufen werden kann?
Für Anke haben wir im Rahmen des Projekts einen Auslandsaufenthalt vorgesehen, weil sie bisher nur in Deutschland gearbeitet hat und internationale Erfahrungen sehr wertvoll sind. Außerdem haben wir beschrieben, wie das geplante Projekt ihr helfen wird, ihr Fachwissen zu konsolidieren, so dass sie ein klares und starkes akademisches Profil haben wird, um sich auf eine Nachwuchsgruppe oder eine Juniorprofessur zu bewerben. Das von uns skizzierte Projekt hat auch Synergien mit meinen anderen Projekten. So habe ich explizit festgehalten, dass Anke einige meiner Promovierenden mitbetreuen und so Erfahrungen in der Betreuung sammeln wird. Dieser Ansatz hat sich bereits ausgezahlt: Beide Projekte profitieren sehr von der engen Zusammenarbeit der beiden.
Welche Bewerbungsunterlagen sind einzureichen?
Das Motivationsschreiben der Postdoktorandin - ein Zweiseiter - und das maximal dreiseitige Bewerbungsschreiben von mir sind am wichtigsten, denke ich. Beide müssen die Jury davon überzeugen, dass es wirklich einen persönlichen und wissenschaftlichen Mehrwert in Forschung und Lehre für beide Seiten des Tandems gibt. Außerdem musste ich ein Qualifizierungskonzept für Anke einreichen. Dafür konnte ich auf die verschiedenen Angebote für Postdocs zurückgreifen, die es am KIT gibt, inklusive Weiterqualifizierung und Vernetzungsmöglichkeiten.
Gibt es noch weitere Punkte, die für die Bewerbung wichtig waren?
Ja, was ich unterschätzt hatte, aber von der Forschungsförderung und der Personalentwicklung am KIT die Rückmeldung bekommen habe, dass es wirklich wichtig ist, den Geldgebern mitzuteilen, wie man die Arbeit und Interaktion in der Gruppe gestaltet. Zum Beispiel, was für unterschiedliche Austauschformate wir haben und wie oft wir uns als Team treffen oder Teamseminare abhalten. Ich habe das aufgeschrieben, um zu zeigen, dass meine Postdoktorandin nicht allein ist, sondern dass es eine ganze Gruppe gibt, in die sie eingebunden wird und mit der sie interagiert.
Hat das Ministerium Rückmeldung gegeben?
Die Bewilligung der Mittel kam sehr schnell. Zweieinhalb bis drei Monate nach Einreichung des Antrags erhielten wir die Bestätigung. Es wurden zwar keine Bewertungen oder entscheidenden Gründe genannt, aber ich denke, das Wichtigste ist der gegenseitige Nutzen. Man muss zeigen, wie sich die jeweiligen Fachgebiete ergänzen und gegenseitig bereichern. Was die Forschung betrifft, so funktioniert unser Tandem bereits hervorragend. Unsere Ansätze und Interessen passen wirklich gut zusammen, und wir sind gespannt, was aus dem Projekt wird, und entwickeln auch schon Folgeprojekte.

gewinnbringend
Die Postdoktorandin soll die Forschungsgruppe der Juniorprofessorin bereichern und gleichzeitig selbstständiger werden und sich für den nächsten Karriereschritt qualifizieren.
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